Red Rising: Das dunkle Zeitalter – Teil 1 • 2019 • SF Roman von Pierce Brown

★★★

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In dieser ersten Hälfte des fünften Bands der Red Rising-Serie konzentriert sich das Geschehen vornehmlich auf Merkur, den Mond und Mars. Weltraumgefechte oder Ausflüge ins äußere Sonnensystem finden nicht statt und ich fand diesen Fokus auf Planeten eine willkommene Abwechslung. Wie schon im vierten Teil der Serie wechselt der Autor die Erzählperspektive zwischen mehreren Protagonisten, statt sich nur auf Darrow zu konzentrieren:

Darrow selbst führt die Truppen auf Merkur in verzweifelten Schlachten gegen überlegene Gegner an und zückt in gewohnter Manier eine überraschene Wendung in Taktik und Strategie nach der anderen. Darrow entwickelte sich seit dem vierten Band zum Antihelden, nicht nur wegen seiner fast schon traditionell dämlichen Entscheidungen, sondern auch wegen seiner Abkehr von der Familie.

Erfrischend ist die Schilderung aus der gegnerischen Seite des Kriegs um Merkur – Handlungsträger hier ist Lysander, der versucht, die Goldenen der äußeren Planeten mit den Loyalisten um den Herrn der Asche der inneren Planeten zu vereinen. Er schließt sich dem Eisernen Regen an, also der Landung auf Merkur in Starshells, um so seine Narben zu verdienen, ohne die er nicht genügend Anerkennung hat. Lysander erweist sich als Sympathieträger und schlüpft langsam in die nun von Darrow nicht mehr besetzte Heldenrolle.

Darrows Frau Mustang bleibt als Oberhaupt auf Luna und versucht, die Senatoren dazu zu bewegen, Darrow Unterstützungstruppen zu schicken. Der Druck auf das Mustang ist nicht geringer als der auf Darrow, nur die Erzählform völlig anders: Gegenüber den anderen aktionsreichen Erzählsträngen ist dies der politischste und überborden mit drögen Ansprachen – teils direkte, seitenlange Zitate von Churchill, teils hinterlistige Gespräche. So stellt man sich Regierungsarbeit vor und ich zähle es zur willkommenen Entspannung der kritischen Handlungen auf Merkur.

Am besten gefiel mir die Handlung rund um Ephraim, der im vierten Band eingeführt wurde. Er hatte seine Diebestruppe verloren und findet sich zusammen mit den durchtriebenen Kindern Pax und Electra in der Hand von Sefi der Stillen, die die Obsidianen anführt. Als ausgesprochener Fan dieser Weltraumwikinger feiere ich das erneute Eintauchen in die Kultur der Obsidianen und die interessante Rolle Ephraims darin: Er bildet die Geistkrieger der Skuggi zu Undercover-Operationen aus, was nicht zur gewalttätigen Tradition dieses Volks passt und bei anderen nicht gerade auf Zustimmung stößt.

Als ich dieses Leseexamplar anfragte, dachte ich mir “toll, ich wollte schon immer diese Serie beginnen, da passt der ‘Erste Teil Red Rising‘ (wie es auf dem Cover abgedruckt war) gut in meinen Leseplan. Wenn es mir nicht gefällt, kann ich danach abbrechen.” Die Serie war mir durch den Hype auf GoodReads namentlich bekannt, wo sie einen Leserpreis nach dem anderen absahnte. Leider übersah ich den versteckten und recht klein gehaltenen eigentlichen Titel “Das Dunkle Zeitalter” und war einigermaßen geschockt, dass ich nicht den ersten, sondern fünften Band erhalten hatte, den ich nun besprechen sollte. Die letzten Wochen vergingen also damit, mich durch die ersten vier Wälzer durchzuarbeiten und ich genoß diese Reise – jedes der Bände erhielt von mir drei Sterne, was einem guten Buch entspricht, das ich mochte und das ich durchaus jedem empfehlen würde.

Meine Beobachtung ist die, dass die zweite Hälfte jedes Bandes deutlich besser ist, als die erste. Beim vorliegenden Band kann ich das noch nicht sagen, da er in der deutschen Übersetzung zweigeteilt wurde und der zweite Band erst später im cross cult-Verlag erscheint. Man merkt auch sehr deutlich am Spannungsbogen, dass diese zweite Hälfte fehlt und ich kann es kaum abwarten, auch diesen zu lesen. Mit dem Wechsel der Serie vom Heyne Verlag zu cross cult wechselte auch die Übersetzerin, und ich möchte Claudia Kern ein Lob aussprechen, da ihre Leistung den Lesegenuß mit ihrer deutschen Übersetzung deutlich erhöhte.

Wer bisher die Serie verfolgte und sich nicht durch die teils starken Gewaltexzesse abschrecken ließ (sie möglicherweise sogar genoß), wird mit diesem Band reichlich belohnt: Weltraumwikinger, Merkur als Handlungsträger sind für mich die Highlights einer hervorragenden Weiterentwicklung der ersten Trilogie dieser Serie. Mir gefiel dieser Teil und ich empfehle ihn den Fans der Serie – dafür drei von fünf Sternen.

 

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