Star Trek Picard – Die letzte und einzige Hoffnung • 2020 • SF von Una McCormack

★★★+

Die Amazon Prime-Serie um den ehemaligen Star Trek Enterprise-Kapitän Jean-Luc Picard verwirrte mich anfangs. Da kam diese Vorgeschichte in Buchform wie gerufen, denn sie erzählt, wie Picard die größte Rettungsmission aller Zeiten leitete: 900 Millionen Romulaner mussten aus ihrem Heimatsystem und den umliegenden Sternsystemen auf sichere Planeten umgesiedelt werden, da sich ihr Stern in Kürze zu einer Supernova entwickelt. Warum hilft man einem Feind? Wie viel kann man selbst entbehren? Picard selbst meint dazu: Alles geben, weil es gilt, Leben zu retten. Die logistischen und politischen Herausforderungen stellen das Rahmengerüst dar, in dem sich Picard ganz als Mann der Tat einfügt. Heroische Einzelaktionen finden sich hier nur selten.

Die Autorin zeigt sich als hervorragende Kennerin des Star Trek Universums und gewährt faszinierende Einblicke in die Alltagswelt der Romulaner. So changiert die Atmosphäre schnell zum Misstrauen und zur Intrige. Es gelingt nicht nur die Einbettung in die Vergangenheit, sondern die neue Serie knüpft auch nahtlos an das Buch an, so dass sich meine Verwirrung beim Serienstart löste. In einigen Schlüsselszenen ist der Roman redundant zur Serie. Zum Erscheinungszeitpunkt waren bereits zwei Folgen gelaufen und wer da bereits die Filme gesehen hatte, nahm sich etwas Spannung im Buch weg. Picards Ton wie auch der der anderen bekannten Protagonisten wie Geordi La Forge oder Raffi wird in der Erzählung punktgenau getroffen.

Schwierig empfinde ich dagegen die Motivation und das Vorgehen in den einzelnen Handlungssträngen. Um nur ein Beispiel anzuführen, kann ich mir nicht vorstellen, wieso Androiden in der Raumschiffproduktion bei speziellen Teilen nötig sein sollten; es handelt sich schließlich nicht um eine Manufaktur, sondern um industrielle Produktion, die Roboter genausogut erledigen könnten. Und wenn schon Androiden, dann erschließt sich mir der Sinn für Köpfe und menschliche Körper nicht. Möglicherweise ist dies eine generelle Kritik an der Serie, die man diesem Buch im speziellen nicht vorwerfen sollte. Andere Fragen wie beispielsweise nach den Ursachen für die Supernova waren wohl der Serie selbst vorbehalten.

Wer also bereit ist, solche Bedenken über Bord zu werfen und sich in den tollen Star Trek Kosmos hineinziehen lässt, der findet in diesem Buch eine ordentliche Dosis Picard und insgesamt eine sehr flüssig lesbare, nicht übermässig komplexe Geschichte, die ich gerne jedem Trekkie empfehle. Abzüge gab es nicht nur wegen der angesprochenen Logikprobleme, sondern auch wegen der fehlenden Spannung.

This entry was posted in Novel, Science Fiction. Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s